Montag, 12. Juni 2017

Projekt Kleiderschrank, Teil 1

Wie schon zuvor erzählt, möchte ich in meinem persönlichen Kleidungschaos für Ordnung und Schliff sorgen. Dazu muss natürlich erst einmal eine gute Grundlage geschaffen werden, nämlich das möglichst optimale Zuhause für die Stöffchen.

Das Zimmer der Tochter steht seit ihrem Umzug leer. Natürlich könnten wir es ihr theoretisch lassen, aber wir haben zusätzlich ein wirklich niedliches Gästezimmer und dann bin ich doch einfach mal total egoistisch und beschlagnahme vor mich hin.

Bislang hatte meine Kleidung ihr Zuhause im Arbeitszimmer. Immerhin 2 m Pax-Kleiderschrank (IKEA) und eine große Kommode mit 12 Schubladen. Im Zimmer der Tochter fand sich ein weiterer, nunmehr verwaister Meter Pax mit den gleichen Türen, passt also optisch gut zusammen.

Ist also alles TOTAL simpel: Kommode und Schränke müssen schlicht von Raum 1 zu Raum 2 gebracht werden. Kommode zog schon vor einigen Wochen um, aber diese Kawenzmänner von Schränken, also da braucht man schon Lust für einen Umzug. Dass man aber auch ordentlich NERVEN dafür braucht, hatte ich nicht so auf dem Schirm..

Schritt 1: Grundlagen schaffen


Als erstes hab ich das alte Zimmer der Tochter richtig auf links gedreht und von vorne bis hinten geputzt und - bis auf ihren Schrankteil und der Kommode - frei geräumt.

Problemchen: Das Zimmer hat Südlage, 2 bodentiefe und überbreite Fenster und es war * tschuldigung* scheißheiß gestern. Obwohl ich die Rolläden schön runtergelassen habe, transpirierte ich ein wenig vor mich hin. Der Mann schaute zwischendurch nach dem Rechten, verließ mich aber ob des Klimas ziemlich schnell wieder zu Gunsten der horizontalen Lage auf der nordseits gelegenen Couch im Untergeschoss.

Schritt 2: Schränke frei


Möchte man zwei große Kleiderschränke von einem Raum in den nächsten transportieren, muss man die leer räumen! Immerhin messen die Viecher 2,36 x 1 m pro Stück, also passen die nicht aufrecht durch die Tür.

Angesichts der Menge des Inhaltes beschloss ich, schön einen nach dem anderen auszuräumen und mit dem Mann umzusetzen. Gesagt getan.

Der erste Schrank war der mit den Blusen, Hemden, Jacken und... Handtaschen. Alter Falter, wie kann man so viele Taschen haben? Aber irgendwie schon klar, denn Taschen waren früher mein Ersatz dafür, dass mir eben nicht die Kleidung so passte, wie ich das gerne gewollt hätte. Taschen, Schuhe, Schals und Tücher gehen hingegen immer...

Ich hab einerseits echte Schätzchen wiedergefunden, deren Existenz ich bereits verdrängt hatte, andererseits hab ich mich aber auch ein ganz kleines Bisschen geschämt und beschlossen, dass ich die jetzt immer schön abwechselnd benutzen und mir die nächsten hundert Jahre keine neue mehr kaufen werde. Vielleicht...

Schritt 3: Trial and Error...


Der Mann und ich haben dann versucht, diesen ersten Meter Schrank vom einen in den anderen Raum zu wuchten.

Da ich aus Erfahrung mit ähnlichen Projekten weiß, dass das bei uns zu einer extrem verkürzten Zündschnur der Laune führen kann, habe ich uns beide vorher schön eingeschworen: "Wir machen das entspannt und in aller Ruhe. Kein Stress und kein Streit. Blablabla.." 

Exkurs: Ich finde es ja ein bisschen witzig, dass IKEA diese Schränke PAX, also FRIEDEN, genannt hat. Ob die schon ahnten, dass der in Gefahr ist, wenn man sich auf Umzüge damit einlässt? Soll das die Nerven beruhigen?

Das Einschwören hat auch tatsächlich sehr gut funktioniert. Was hingegen NICHT funktioniert hat, war den Schrank in den anderen Raum zu bringen, da der Flur relativ schmal ist und wir harsch um die Ecke mussten. Also stand nach nur 30 Min. Schrank kippen, auf Rollbrett packen, durch die Gegend manövrieren bei schwüler Hitze was fest?

GENAU!

Schritt 4: Das Drecksding muss auseinandergebaut werden!


An der Stelle erwies es sich als ausgesprochener Vorteil, dass ICH bei uns ALLE IKEA-Möbel aufgebaut habe. Ich hab in solchen Belangen nämlich deutlich mehr Geduld. Hätte der Mann das tun müssen, hätte er vermutlich das Projekt abgebrochen und wieder die Horizontale auf dem Sofa auf der Nordseite aufgesucht!

So klopfte ich vorsichtig die Rückseite raus, löste diese Schnellbauschrauben und rappizappi war das Ding filetiert, ließ sich komfortabel umsetzen und wieder aufbauen. Gut, ich habe mir natürlich eine ordentlich blutende Schramme am Schienenbein zugezogen. War ja klar.

Bei der Gelegenheit haben wir auch die herkömmlichen Scharniere gegen stoßgedämpfte ausgetauscht. Das ist nicht nur toll gegen knallende Türen, sondern verhindert auch das Türgeklapper, wenn man über den Fußboden geht. Wir haben da oben nämlich alte Holzdielen und die bewegen sich und ihre Umgebung eben gerne.

Schritt 5: Nase voll!


Den zweiten Meter auseinanderzubauen - darauf hatte ich dann gestern keine Lust mehr! Das verschieben wir auf... Dings.. weiß man nicht so genau. Vielleicht wenn es nicht mehr so warm ist.

Denn das ist nicht nur Fummelskram beim Ab- und Aufbau, sondern das ist gleichzeitig der Schrank mit den Hosen, Pullovern, Röcken, T-Shirts, Hoodies... ihr wisst schon.


Schritt 6: Tagwerk muss beendet werden!


Auch wenn mir wenig danach war, hab ich den umgesetzten Schrank ausgewaschen und eingeräumt. Dabei hab ich dann doch minimal ausgemistet. Am Besten räum ich das auch sofort aus der Sichtweite, denn ich kenne mich! Wenn die Sachen lange genug dort liegen bleiben, tun sie mir leid und sie bekommen doch wieder Asyl im Schrank für mindestens ein Jahr oder zwei. Natürlich trage ich sie dann doch nicht. Ach ja.

Jedenfalls wird das Zimmer toll, wenn es irgendwann mal fertig ist. Betonung liegt auf "Irgendwann"! Denn meine Vorstellung, dass ich das "mal schnell am Sonntag" schaffen würde, war ja wohl ein Schuss in den Ofen.

Aber was hat meine Urgroßmutter schon immer gesagt?

Keiner sieht wie lange es gedauert hat, aber jeder sieht am Ende das Ergebnis!

Kluge Frau.

Ich übe mich also in Gelassenheit - auch eine schöne Tugend.


Alles braucht seine Zeit! / Foto: Harald Brettfeld





Übrigens: Die Handtaschen sind nur teilweise wieder in den Schrank eingezogen, der Rest hat jetzt ein eigenes Regal. Hm.





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