Samstag, 1. Juli 2017

Die Macht des quengelnden Ichs

Andere Überschrift wäre "Schön blöd, selbst Schuld!" gewesen, aber die klingt jetzt nicht so nett, muss ja auch nicht sein. Und doch...

Irgendetwas übernimmt manchmal die Steuerung meines Gehirns und dann hat das Ganze nichts mehr mit Vernunft zu tun, das sag ich euch aber. Und in der Regel geht es dann nur noch um schnöde, menschliche Grundinstinkte bzw. die Lust auf ganz bestimmte Nahrungsmittel.

Ich meine, ich hatte das schon einmal vor Urzeiten im Blog als Thema. Damals war es Lady S., meine Arbeitskameradin, die perfekt mein Gehirn aushebeln konnte. Sie hat da nichts Spezielles getan, wenn sie beispielsweise morgens um 9 mit mir über dies und das erzählt hat. Das ging dann für mich aber ungefähr so:

Blabla**** blaBLAblaaaaa*******blablablablBLA**möpmöp*blablabla*** gefüllte Paprikaschoten ****blablabliblablaaaa**** lalalaaaaaa**Träller **

Merkt ihr was?

Nein, sie hat das natürlich nicht SO gesagt, ich hab das getarnt, weil es zu privat ist, aber das war das, was mein Gehirn dann als hochwichtige Message aus dem Ganzen ausgefiltert hat: Gefüllte Paprikaschoten!

Und den Rest des Tages wollte ich dann GENAU DAS und nix anderes. Manchmal hab ich versucht, mich mit anderen Mahlzeiten abzulenken, wenn ich zum Beispiel schon alternativ etwas gekocht hatte... aber das gelang mir echt nur mäßig. Nicht selten machte ich erneut auf zum Supermarkt, um meinem quengelnden Ich genau diesen Wunsch zu erfüllen. Dagegen ist ein sich vor der Kasse wälzendes Kind, dass ein Ü-Ei oder ein Eis will, nur heiße Luft. Ich bin viel schlimmer. Ich kann die Gefühlswelten, die sich dann in mir abspielen, nicht beschreiben.

Bekomme ich, was ich will, ist schlagartig Ruhe. Darum ist es für mich ja auch so wichtig, dass ich einmal am Tag esse, wonach mir wirklich ist.

Jetzt ist dieses Phänomen wieder aufgetreten! Aber in verschärfter Form!

Ich steh mittags beim Sport. Mittwochs hab ich drei Kurse nacheinander, Mitarbeiter einer großen ansässigen Firma möchten ein wenig in der Pause trainiert werden. Total schön. Ich hab so einen Spaß mit den Gruppen. <3

Und während ich da so stehe, bekomme ich a) Hunger und b) will UN-BE-DINGT Heringe in Sahnesauce.

Ja genau, dieses mayo-und-sahne-lastige Zeugs. Und ich will es jetzt und ich will es dringend.

Fand ich komisch, denn ich hab normalerweise so früh keinen Hunger und dann noch Sahneheringe?

Mein Verstand gab echt sein Bestes, schließlich wusste ich, dass ich am Abend einen weiteren Sportkurs haben würde und dass mir von Sahneheringen auf nüchternen Magen hochwahrscheinlich übel werden könnte. Das Gehirn rotierte und so ließ ich meine Gedanken an die Freiheit und erzählte dem Kurs von meinen Gelüsten.

Die lachten.
Ich lachte.
Noch.

Runter vom Firmengelände, ab nach Hause. Plötzlich blinkte mein Auto ganz von selbst, bog rechts und links und rechts ab und ich lief wie ferngesteuert durch den Supermarkt und kaufte Heringe in Sahnesauce.

Ja, genau. Nicht schön selbst gemacht, wie sich das gehört. Mit guten Inhaltsstoffen und so. Neeee, neeee. Dafür blieb keine Zeit. Es waren die pratschigen aus der 400 g Dose aus dem Kühlregal, wo man die Hälfte der Inhaltsstoffe wahrscheinlich noch nicht mal richtig aussprechen kann. Das war mir in dem Moment total egal. Ich hab - entgegen meiner Gewohnheit - noch nicht mal hinten drauf geschaut.

Zuhause hab ich die gesamte Dose in einem Rutsch verspachtelt. Ja, auf leeren Magen. Gut, die Apfelstücke nicht und auch nicht die ganze Sauce, denn das war gegen Ende dann doch ein wenig eklig im Mund.

Dann war erst Ruhe. Und so langsam begann ich, mich über mich selbst zu ärgern.

Was soll das? Ich mein... ich kann ja froh sein, dass ich SOLCHE Gelüste hab und nicht nach einer 300 g Tafel Schokolade. Aber eigentlich ist das ja keinen Deut besser - jedenfalls von der Botschaft meines Gehirns her gesehen nicht. Meine Vorlieben sind da ja reines Glück!

Dennoch ganz klare Aussage: Solche Sahneheringe sind KEIN LCHF! Nur falls sich das einer fragt.

Ich wartete darauf, dass mir schlecht werden würde. Was passierte war: NICHTS!

Auch beim Sportkurs am Abend meuterte der Magen kein Stückchen. Ha. Eben doch ein Magen aus Eisen. Minimal war ich stolz darauf. Alles gut, mich erschüttert so schnell nichts.

Zurück heim, duschen, gemütliche Klamotten und *hopp* aufs Sofa.

Und dann...

BÄM!

Mir wurde schlagartig speiübel. SO schlecht, dass ich mich gewunden habe wie ein Aal in der Pfanne, oder so. MAN! Ich kämpfte die ganze Zeit gegen den Drang an, mich übergeben zu müssen. Es war richtig furchtbar!

Ende vom Lied: Ich war um 20 Uhr im Bett. ICH! Noch beim Einschlafen kämpfte ich gegen meine Innereien.

Am nächsten Tag war der Spuk vorbei, aber ich schwor mir: NIE WIEDER!


Liebe Leute, da muss ich echt mal hart dran arbeiten. Furchtbar. Es kann ja wohl nicht sein, dass es solch übermächtig starke Vorgänge in meinem Gehirn, meiner Seele oder wo auch immer gibt. Kann ich nicht bitte andere Gelüste entwickeln? Gesündere, oder so? Da bin ich schon so gut zu mir und höre auf mein Inneres und versuche, vernünftige Essenswünsche in mir täglich zu berücksichtigen und dann grätscht mir das quengelnde Ich so in die Füße. Nix!

Jedenfalls: NIE WIEDER!!































Was soll ich sagen...

Mittwoch.
2 Wochen später.
Ich steh mittags beim Sport.
Was will ich?
Sahneheringe.

Das war mir dann allerdings so albern, dass ich sie dieses Mal NICHT gekauft habe. Aber ich hab den ganzen Resttag nur nach Sahneheringen geschmachtet.

Ich versteh es nicht.




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